Opfer sexualisierter Gewalt wird von Behörde diskriminiert
Paul D. (39) wurde als Kind und Jugendlicher jahrelang misshandelt und zudem sexuell missbraucht. Noch heute schwer erkrankt an Postttraumatischen Belastungsstörungen, ist er arbeits- und erwerbsunfähig.
Für Menschen wie ihn wurde 1976 das Opferentschädigungsgesetz (OEG) eingeführt, welches Betroffenen von Gewalttaten Versorgung garantieren soll. In Zeiten knapper Kassen unternimmt der Staat jedoch seit der jüngeren Vergangenheit verstärkt alles, um die Wehrlosigkeit der ohnehin seelisch schwer angeschlagenen Opfer auszunutzen und auf deren Kosten die eigenen zu minimieren, wie im Falle von Paul D.
Paul D (39) hat immer gekämpft, immer versucht, es aus eigener Kraft zu schaffen, sein Leben zu meistern. Heute weiß er, warum es ihm nicht gelingen konnte, niemals irgendwo anzukommen. Seine Belastungsstörungen und Angst vor menschlicher Nähe wirken wie eine Mauer, die ihm sofort die Luft zum Atmen raubt, wenn er auf Menschen trifft, die etwas von ihm erwarten, mag es auch noch so klein sein. Der innere Erwartungsdruck frißt ihn schnell auf bis zur vollkommenen Handlungsunfähigkeit. So ist das jetzt seit dem Herbs t 1986, als sein Nervenkostüm zusammenbrach: von der Tante missbraucht, vom Vater seit Jahren mit Fäusten ins Gesicht geschlagen, von der Schulklasse gemobbt, von der ersten Liebe zurückgewiesen...
"Ich konnte einfach nicht mehr", so Paul D. heute. Seitdem ist das lebenslustige Kind von einst ein anderer Mensch. "Die Menschen machen mir einfach Angst!", sagt er: "Ich habe doch alles versucht, habe gekämpft, wo es möglich war, wollte mich nicht unterkriegen lassen... und genau diese Aktivitäten macht mir die Versorgungsbehörde heute zum Vorwurf, um meine Leistungen nicht bewilligen zu müssen! Ich kann einfach nicht mehr! Deshalb habe ich jetzt entschieden, mich an die Öffentlichkeit zu wenden und in Hungerstreik zu treten, bis ich als Mensch endlich ernst genommen und nicht mehr für für dumm verkauft werde! Ich appelliere an Frau Sozialministerin Özkan: Sorgen Sie dafür, dass mich Ihre Behörde endlich fair behandelt! Ich will endlich in Frieden leben können!"
Paul D. demonstriert nun in Hannover vor dem Sozialministerium und hofft auf späte Gerechtigkeit. "Wenigstens ein bißchen Würde habe ich ja wohl verdient", so das Opfer von Missbrauch und Misshandlung mit seiner noch heute zerstörten Gesundheit.
Link zur Pressemitteilung:
http://www.newsmax.de/niedersaechsische-sozialministerin-laet-missbrauchsopfer-im-stich--hungerstreik-pressemitteilung45283.html