Hier im Dorf werde ich bestenfalls belächelt, aber wahrscheinlich bleibe ich für die Einheimischen auf ewig �a Zu�groaster� (ein Zugereister), wie es diese, seit wir vor 9 Jahren der überkandidelten Münchner Vorortgesellschaft entflohen, in zunehmendem Maße gibt - hauptsächlich jüngere Paare mit noch jüngerem Nachwuchs, um sich in irgendeine Geborgenheit des Landlebens zu retten.
Auf meinem täglichen Spaziergang - genauer gesagt auf meinem Weg zu �meinen� wildlebenden, menschenscheuen Katzen, die ungefähr zwei Kilometer von der Dorfgrenze entfernt in diversen Holzlagerplätzen und -scheunen sowie Kälberunterstellplätzen ein neues Zuhause gefunden haben, und die ich, wenn sich Nachwuchs eingestellt hat, auch durch den Winter zu bringen bereit bin, - aber das ist eine andere Geschichte � auf einem dieser Spaziergänge kam ich im Sommer vor zwei Jahren mit Paul zum ersten Mal ins Gespräch. Paul war damals noch nicht ganz sechs Jahre alt und konnte kaum erwarten, dass er in wenigen Wochen endlich zur Schule gehen durfte, denn es war ihm doch überaus langweilig geworden im Kindergarten, denn Rechnen und Lesen konnte er schon lange, wie er mir erzählte. Als ich mich also mit Paul, der seit einem guten Jahr mit seinen Eltern schräg gegenüber eingezogen war, zum ersten Mal über �Kobolde� unterhie lt, war er mit zwei, vielleicht etwas älteren Mädchen samt Rucksack und Korb zu einem Picknick unterwegs..
�Der Kobold hat�s mir aber gesagt�, versuchte Paul den Mädchen zu imponieren, was damals als etwas frühreifes Eindruckmachen vorkam. Aber zu mehr als �A geh, Du spinnst doch!� konnte er die Mädels nicht hinreißen, die sich nun ohne ihn zu ihrem Picknickplatz aufmachten. Zunächst erfreute mich Paul mit der Meinung seiner Eltern und �überhaupt alle im Dorf sagen das�, für die ich längst ein �Spinner� war, weil �Koatsen doch nur Viecher san�. Soweit so gut.
�Du hast vorhin den Mädels von einem Kobold erzählt�, forderte ich ihn heraus, und damit begann eine Geschichte, die so gar nicht in die Welt der sogenannten Erwachsenen passt. Ich gebe zu: der Begriff Naturgeister oder Elementarwesen war mir nicht fremd. Dennoch kann ich nicht behaupten, einem solchen Wesen, einer Fee, einem Troll, Zwerg oder einem Kobold und wie sie alle heißen, jemals persönlich begegnet zu sein. Das sollte sich jedoch alsbald als Irrtum meinerseits herausstellen, denn Paul berichtete mir nicht nur von Wesen, die er in der Natur sah und mit denen er sich unterhielt, sondern sogar von Gestalten im PC seines Vaters, in dessen Auto oder in der Küche seiner Mutter. Überhaupt seien diese Wesen überall. Als ich ihn fragte, ob auch seine Eltern diese Wesen sehen und mit ihnen sprechen können, schüttelte er nur aufrichtig mitleidig den Kopf, denn man könne die nicht anschauen wie etwas Normales, sondern diese Wesen wären eher durchsichtig und manchmal auch noch nicht mal das, manche änderten auch ständig ihre Gestalt und Farbe. Aha.
Irgendwann �angefangen� hat diese Wahrnehmung bei Paul nicht, denn �die kenn� ich schon immer�, und deshalb hat er sich mit ihnen auch von Anfang an verständigt, ganz selbstverständlich. Worüber er mit denen so spricht, wollte ich wissen. Meistens müsse er gar nichts sagen oder fragen, denn alle, nicht nur der Kobold, könnten seine Gedanken lesen und würden darauf antworten, noch ehe er etwas aussprechen müsse. Ich bat ihn um ein Beispiel, damit ich�s mir vorstellen könne. Paul gab an, dass diese Wesen nicht so sprechen wie wir Menschen, sondern, dass sie sich in Gesten ausdrücken, manche würden dabei regelrecht tanzen, und ganz zu Anfang hätte er auch nicht sofort alles verstanden � er musste ihre Sprache, d.h. ihre Gebärden lernen, aber inzwischen könne er ihre Gesten oder Bilder auch hören - aber das sei nicht schwer gewesen, und überhaupt sagten sie immer die Wahrheit. Die Wahrheit.
Wie lange denn ein solches �Gespräch� so dauere und was seine Eltern dazu sagten, wollte ich, etwas ungeduldig werdend, als nächstes wissen. Ach, das sei ganz unterschiedlich, meinte Paul, denn es sei schon passiert, dass er von seiner Mutter ziemlich geschimpft wurde, weil er erst bei Dunkelheit und Stunden zu spät zum Essen heimkam, obwohl er höchstens eine Minute mit dem Kobold gesprochen hatte, oder auch umgekehrt, da dachte er, es seien Stunden vergangen, und als Paul auf seine Armbanduhr sah, die er mit stolz zeigte, waren gerade �mal ein paar Minuten vergangen � normale Zeit gäbe es so also gar nicht. Keine normale Zeit.
Und überhaupt, meinte Paul weiter, diese Wesen wüssten viel mehr als die Menschen, weswegen ihm schnell klar war, dass er seine Eltern, seine Kindergärtnerin oder auch die meisten Gleichaltrigen lieber damit in Ruhe ließe, denn die wüssten dann immer alles nur besser. Nur seine Urgroßmutter könne damit etwas anfangen, aber die sähe er leider sehr selten, weil die in Norwegen wohne, und am Telefon wolle er mit ihr darüber nicht sprechen, weil das auch zu teuer sei.
Zuletzt fragte ich Paul, ob er mich denn zu seinem Kobold demnächst einmal mitnehmen würde? �Wenn Du dem Kobold keine blöden Fragen stellst, kann ich das schon machen.� Wir verabredeten uns auf ungefähr in einer Woche, es war Ferienzeit, und ich ging diesen Weg, wie gesagt, ohnehin täglich. Sachen gibt�s im isixx-Land! (Fortsetzung folgt)
Link zur Pressemitteilung:
http://www.newsmax.de/begegnungen-mit-einem-troll-1-pressemitteilung25277.html
